Ein Marktplatz – viele Möglichkeiten

Genau 306 Kilometer sind es von unserem Büro in Bochum aus nach Ladenburg. 306 Kilometer, die wir gerne auf uns nehmen. Um Vorträge zu hören, an Diskussionen teilzunehmen und so manch interessanten Kontakt zu knüpfen. All das war dieses Jahr wieder möglich: auf dem Marktplatz für Nachhaltige Investments in Ladenburg bei Mannheim. Bereits zum vierten Mal trafen am 16. Mai Beraterinnen und Berater auf renommierte Investmenthäuser und bislang noch weniger bekannte Gesichter der Branche. Die Qualitates GmbH begrüßte ca. 100 Berater und 30 Investmenthäuser. Ralf Petit und Dr. Marcel Malmendier, beide Partner der Qualitates, führen in den Marktplatz ein. Kooperationspartner der Veranstaltung war das Forum Nachhaltige Geldanlage, der führende Verband für Nachhaltiges Investment im deutschsprachigen Raum.

Um 10 Uhr geht es mit dem Eröffnungsvortrag von Dr. Marcel Malmendier los. Im Namen der Qualitates fragt er: Was ist eigentlich Nachhaltigkeit im Kern? Eine Definition gibt es schon: Es ist die Verbindung aus Ökologie, Ökonomie und sozialen-ethischen Maßstäben. Marcel Malmendier formuliert es so: „Es ist vor allem ein Versprechen an nachfolgende Generationen.“ Mit diesem Gedanken geht es weiter: Vorträge, Diskussionsrunden, Netzwerken. Was tut sich im Markt nachhaltiger Investments? Wie reagieren Investmenthäuser auf aktuelle Herausforderung, etwa die Umstellung auf Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien? Welche neuen Aspekte gibt es beim Investieren?

Ein großer Aspekt: Ethische Fragen des Investierens. Damit beschäftigt sich Dr. Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut in Tübingen in seinem Impulsvortrag. Anknüpfend an seinen Vortrag werden die Grundgedanken in einer Podiumsdiskussion weitergeführt. Und schnell wird allen Besuchern klar: Es gibt einige Kriterien, die unter ethischen Gesichtspunkten gelten. Allerdings müssen wir uns von dem Gedanken eines fest definierbaren Wertekanons verabschieden. Denn jedes Investment steht für sich und mit jedem sollten sich Berater und Investoren auseinandersetzen wie mit einer besonderen Story: Neben den üblichen Fragen nach Risiken, Kosten und Eigenheiten eines Investments dienen Fragen nach Maßstäben des Investments und vor allem nach Effekten der Nachhaltigkeit gerade auch der Vermittlung gegenüber Kunden.

Ein Vorteil des Marktplatzes: Hier bleibt Nichts abstrakt. Im 20-Minuten-Takt werden Investments vorgestellt und damit jeweils eine individuelle Story, wie Nachhaltigkeit möglich ist.

Ein Beispiel bieten der Vortrag und die angebotenen Plantagenbesuch von „WeGrow“. Dabei lernt man über eine besondere Züchtung des Kiribaums extra für unsere Klimazone. Der Kiribaum ist der am schnellsten wachsende Baum der Welt. Da Holz bekanntlich CO2 bindet, sind Bauminvestments wichtig gegen den Klimawandel. Das Holz des Kiribaumes ist sehr leicht und wird etwa für den Möbel- und Schiffsbau verwendet. Wer sich selber von den Kiribäumen überzeugen will, war im Rahmen des Marktplatzes herzlich eingeladen, sich per Shuttletransfer die in der Nähe gelegene Plantage selbst anzuschauen.

Die Vielzahl von Investmentstories vermittelt auch den Eindruck, dass Nachhaltigkeit in der Umsetzung unaufhaltsam voranschreiten wird. Dennoch ist klar, dass Rückschläge unvermeidlich sind. Es ist kein linearer Weg. Dabei spielen politische Verhältnisse eine große Rolle: Einige, wie der aktuelle amerikanische Präsident Trump oder der Berliner Kreis der CDU (Meldung vom 03.06.2017), wollen im Bereich der Nachhaltigkeit zurück- und gerade nicht nach vorne rudern.

4. Marktplatz Ladenburg

Auch in diesem Jahr gibt der Marktplatz einer Stiftung die Bühne, die soziales Engagement mit ökologischen Effekten verbindet. In diesem Jahr stellt sich die Neven Subotic-Stiftung vor. Gegründet von BVB-Fußballspieler Neven Subotic, bohrt die Stiftung zusammen mit Akteuren vor Ort und finanziert über Spendengelder Brunnen in Nord-Äthiopien. Wasser ist dort reichlich vorhanden, allerdings in 60 Metern Tiefe. Kinder, die vorher bis zu 6h am Tag Wasser zu Fuß von entfernten Wasserstellen transportieren mussten, haben heute Zeit, eine Schule zu besuchen. Damit trägt die Stiftung auch maßgeblich für die Entwicklung der Region bei.

Zusammenfassend lassen sich nach dem diesjährigen Marktplatz drei Investment- Trends herausstellen, die inzwischen eine Art Traditionscharakter entwickeln. Diese lassen sich in etwa folgendermaßen kategorisieren:

  1. Offene Investmentfonds: Nachhaltige Investments in Aktien und Anleihen wachsen weiter, aber es ist noch viel Luft nach oben. Gerade große Investmenthäuser sind hier noch sehr träge und könnten ohne Performanceeinbußen noch viel tun. Deshalb war als großes Haus auch nur Swisscanto vertreten.
  2. Konkrete Sachwertinvestments: Nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden war, finden wir heute wieder ein reichhaltiges Angebot in konkrete Objekte. Vor allem wird hier in erneuerbare Energien wie Wind, Solar und Bioenergie, als auch in nachwachsende Rohstoffe (insbesondere Holz) investiert.
  3. Versicherungen: Einige wenige machen sich mit dem verwalteten Vermögen ernsthaft auf den Weg, um hier nachhaltiger zu werden. Aber auch hier ist noch erheblich Luft nach oben.

Ob das im nächsten Jahr weiter so aussieht, darauf sind wir jetzt schon gespannt. Wir freuen uns auf einen weiteren Marktplatz!

RheinRuhr, 04.06.2017
Melina Kattenbracker

Bild-Quelle: Qualitates GmbH

Von | 2017-06-06T16:18:46+00:00 04. Juni 2017|Allgemein|