Ethik und Investment

Oh, könnte man sagen: Ethik, nicht gerade das einfachste Thema. Mmh, könnte man anfügen, Investment, nicht gerade das ethischste Thema.

Eins ist jedoch klar: Welcher Tätigkeit auch immer ein Mensch nachgeht, ein wenig Grips schadet nicht, vor dem Tun, beim Tun, und für denjenigen, der weiterlernen will: Gerne auch nach dem Tun. So ist es beim Handwerk, beim Kopfwerk und auch beim Investieren. Und in diesem Nachdenken passieren die menschlichsten aller menschlichen Dinge: Sachfragen verschränken sich mit ästhetischen Eindrücken, Bekanntes mit Neuem und Kreativem, Routine mit Überraschungen etc. Und einer dieser vielen Betrachtungs- und Empfindungsweisen ist nun mal die Frage: Wie finde ich das? Gut oder nicht? Bewirke ich das, was ich bewirken sollte? Wenn alle so handelten, kommt dann etwas langfristig Tragfähiges dabei heraus? Wie stellt sich ein Projekt bei Abwägung der Alternativen dar?

Und schon sind wir inmitten ethischer Fragen. Man gerät so einfach in diese Fragen hinein, dass man getreu dem bekannten Diktum von Paul Watzlawick ‚Man kann nicht nicht kommunzieren‘ versucht ist zu sagen, ‚Man kann nicht nicht Ethiker sein‘. Doch Stop. So einfach kommt man vom sperrigen Thema Ethik nicht zur Selbstverständlichkeit ethischer Fragen. Ethische Fragen zu stellen bedarf zwar keines Studiums der Philosophie. Man muss kein Wissenschaftler sein. Aber man muss solche Fragen nun einmal stellen! Ethik ist weder wie Kommunikation etwas, was wir tun wie Trinken und Schlafen. Noch ist es eine Antwort wie ein wirklich gutes Essen. Es ist eher ein Vorgehen mit einer bestimmten Perspektive. Man kann sich Ethik auch wie ein Buch mit Geschichten vorstellen, die einen offenen Ausgang haben. Oder mit aller Vorsicht: Als eine Methodologie des Fragens.

Zurück zum ethischen Investieren. Was soll das sein?

Ethische Fragen lassen sich an alle Investments stellen. Sie bieten eine weitere Perspektiven neben den alten Bekannten: Anlageklassen, Streuung und Korrelation, Marktentwicklungen und Finanzanalyse von Titeln. Wenn man Ethik richtig versteht, dann müsste selbst ein Anti-Ethiker verrückt sein, die Ethik beim Investieren auszusperren. Eine weitere Perspektive, in der Regel ohne oder nur mit geringen Mehrkosten. Ein weiterer Filter, der Qualitäten eines Investments abprüft. Technisch gesprochen sozusagen ein Risikofilter mehr – (fast) für lau.

Einen schönen Herangang zum Thema Ethik und Investieren bietet Dr. Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut.

Kurz gesagt könnte man den Kern seines Vortrags so zusammenfassen: Wer ethische Fragen stellt, versteht mehr. Wer mehr versteht, erzählt gute Geschichten. Und wer gute Geschichten erzählt, der kommuniziert so, dass man ihm gerne zuhört. Und wer eine Investmentstory versteht, der investiert eher mit Überzeugung als nur auf Grundlage reinen Finanzdaten.

Lassen Sie sich inspirieren von seinem Impulsvortrag, den er auf dem 4. Marktplatz für Nachhaltige Investments unseres Partners, der Qualitates GmbH, am 16. Mai diesen Jahres gehalten hat.

Wer mehr von Bernd Villhauer lesen möchte: Hier geht es zu seinem Blog Finanz und Eleganz der Zeitschrift agora 42.

 

Geschrieben an einem lauen Sommerabend mit Blick auf den Vollmond

Bochum 10.06.2017

Bild-Quelle: Joachim Vocke

Von | 2017-06-13T10:02:54+00:00 10. Juni 2017|Allgemein|