Stiftungsvermögen und Nachhaltigkeit: Bereinigung des Beipackzettels

Viele Jahre war sie mehr eine Fantasie als Realität: Nachhaltigkeit im Stiftungsvermögen. Stifter wollen etwas bewegen. Das ist der zentrale Anspruch jedes Stifters und der Zweck jeder Stiftung. Rendite für den Stiftungszweck, aber auch Nutzung des Hebels der eigenen Kapitalanlage, um Gutes zu tun? Das geht und lässt sich zeigen. Man kann heute die nicht-nachhaltigen Nebenwirkungen in vielen Anlagesegmenten ohne Nachteile in den Blick nehmen. Der Beipackzettel des Stiftungsvermögens kann sozusagen bereinigt werden. Ohne den Stiftungszweck durch Renditeeinbußen zu gefährden. Wir sind uns sicher: Früher oder später wird nachhaltiges Investieren normal. Die Alternativen werden aussterben.

Roundtable DIE STIFTUNG in Frankfurt

Nachhaltigkeit in Stiftungsvermögen war eines der zwei großen Themen, die beim Roundtable von DIE STIFTUNG in Frankfurt diskutiert wurden. Wir meinen: Nachhaltigkeit ist als ein Prozess zu verstehen, der zugleich global und individuell gestaltbar ist. So allgemein der Begriff oft gebraucht wird, so finden sich im international etablierten Grundverständnis doch Eckpfeiler: Jeder, der Nachhaltigkeit anstrebt, ist gehalten, immer wieder in die Dimensionen der Ökologie, des Sozialen sowie der Ethik, und der Ökonomie einzutauchen, um zu reflektieren, an welcher Stelle das eigene Handeln verändert werden kann.

Zusammen mit Vertretern von Amundi, Deka, MSCI ESG Research und dem Vermögensverwalter Peter Schneider hat sich Marcel Malmendier auch über aktuelle und künftige Herausforderungen der Geldanlage ausgetauscht. Im Hinblick auf die Verantwortlichen von kleineren Stiftungen wie von großen, professionell geführten Stiftungsvermögen ist seiner Meinung nach eins sehr wichtig:

„Wir versuchen den Menschen eine Haltung der ‚aufmerksamen Ignoranz‘ beizubringen.“

Der Unterschied muss verstanden werden: Turbulenzen, oft aus dem politischen System induziert, haben zumeist kurzfristig erkennbare Ausschläge an den Kapitalmärkten, aber selten echte Wirkungen auf das ökonomische System. Wichtig ist, die Entwicklungslinien der Finanzmärkte insgesamt zu betrachten, nicht die singulären Ereignisse.

Roundtable: Herausforderungen durch Digitalisierung

Ebenfalls beim Roundtable diskutiert: Die Herausforderung, ob in Zukunft Roboter (Robo-Advisor) die erfolgreicheren Vermögensmanager sein könnten. Diese Frage hält Marcel Malmendier für verkürzt. Digitalisierung im modernen Vermögensmanagement ist seiner Meinung nach eine riesige Chance. So nutzen wir die Möglichkeiten der IT aktiv und setzen im Rahmen unseres Multi-Manager-Ansatzes gerne auch Ansätze ein, die sowohl nachhaltig als auch stark automatisiert anlegen. Entscheidend ist jedoch weniger der Grad der computerisierten Intelligenz, sondern das kluge Zusammenspiel von Menschen und Computerfähigkeiten.

„Wir haben auch in der Vergangenheit solche Mensch-Maschinen-Teams gegründet und waren sehr erfolgreich. Es ist nun mal effizienter, wenn ein Roboter das Durchsuchen von Informationen im Netz übernimmt. Das geht einfach schneller und besser. Dennoch glaube ich, dass es immer Rollen für uns [Anm.: Menschen] geben wird. Ein Mensch hat in der Beratung auch gerne einen anderen Menschen als Gegenüber. Denn da passiert einfach mehr als nur ein reiner Informationsfluss.“

Bochum, 30.10.2017
Melina Kattenbracker

Von | 2017-11-03T16:25:13+00:00 03. November 2017|Allgemein|