Gehör verschaffen: Nachhaltige Finanzen für den Klimaschutz

Machen wir einen Sprung in das Jahr 2015: Der Pariser Klimagipfel. Noch wichtiger: Das Pariser Klimaabkommen. Dieses sieht vor, die durchschnittliche Erderwärmung bis ins Jahr 2100 auf „deutlich unter 2 Grad Celsius“ im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Angezielt wird laut dem Pariser Abkommen ein Anstieg von lediglich 1,5 Grad. Diese Verschärfung der früheren Marke von 2 Grad wurde insbesondere von südlichen Ländern eingefordert. Insgesamt müssen die Staaten bei der Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen noch deutlich ehrgeizigere Ziele formulieren und vor allem umsetzen.
Ebenfalls im Abkommen erwähnt sind die globalen Finanzflüsse. Diese sollen in Einklang mit einem Pfad treibhausgasarmer und klimaresilienter Entwicklung gebracht werden.

Das ist unser Stichwort: Nachhaltige Finanzen! Darüber schreibt auch das Handelsblatt in seiner Dezemberausgabe 2017. In ihrem Artikel „Die Weltklimakonferenz wirkt indirekt“ zeigt Autorin Susanne Bergius unter anderem auf, wie die reale Nachhaltigkeit im Investmentbereich den ausgeflaggten Marketingversprechen hinterherhinkt.

Ein klares Statement der großen Masse der Finanz-Investoren fehlte bei der 23. Runde der UN-Klimaschutzverhandlungen (COP 23) Mitte November 2017 in Bonn. Nur einige, so schildert Frau Bergius, bekennen sich deutlich dazu, dass auch die Finanzbranche ihren Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten kann und leisten muss! Als zentrale Schraube wird dabei das Investment in emissionsarme Geschäftsmodelle und Produkte gesehen und zugleich der Entzug von Kapital aus besonders schädlichen Bereichen, insbesondere der Kohleindustrie. Private und privatwirtschaftliche Investoren, Kreditgeber und Versicherungen müssen in die politischen Prozesse deutlich stärker einbezogen werden. Diese Chance wurde bislang verpasst.

Die englische Fachzeitschrift Science publizierte im März 2017 eine Studie, die auf wissenschaftlicher Basis zu dem Ergebnis kommt, dass das Ziel, die Erwärmung der Erde auf 2 Grad zu begrenzen, durchaus noch erreichbar ist. Der Artikel „A roadmap for rapid decarbonization“ kommt allerdings auch zu dem Ergebnis, dass die notwendigen Ziele zum Schutz des Klimas und die heutigen nationalen Verpflichtungen noch längst nicht zusammenpassen. Diese Diskrepanz adressierte auch Germanwatch mit seinem in Bonn vorgestellten „Klimaschutz-Index (KSI)“.

Für die Finanzbranche schlägt Marcel Malmendier neben der sicherlich auch erforderlichen Regulierung konkreter Investitionskriterien vor: „Jeder, der mit Menschen professionell über Vermögensanlage spricht, sollte das Thema Nachhaltigkeit nach bestimmten Mindestkriterien thematisieren müssen. Dies ist eine einfache Maßnahme, die gesetzesfähig ist. Sie ist zudem messbar und mit Haftungssanktionen für die Berater belegbar. Und vor allem: Sie schafft endlich Auseinandersetzung vieler Menschen mit diesem Thema in Bezug auf Ihre Finanzen.“

Möglich wäre das. Vermutlich sind die Köpfe der Menschen schon viel weiter und der Konservatismus liegt in der Finanzbranche, die wie auch in anderen Branchen zu beobachten einfach noch möglichst lange Geschäfte mit den vorhanden, schmutzigen Produkten machen will.

Malta, 15.01.2018

Autorin: Melina Kattenbracker

Bild-Quelle: Carbon footprint von Chris Brignell

Von | 2018-01-17T19:13:47+00:00 15. Januar 2018|Allgemein|